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Offener Brief an den chinesischen Präsidenten Hu Jintao und Premierminister Wen Jiabao von der Koalition zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong in China (CIPFG)

8. Juni 2007

Sehr geehrter Herr Präsident Hu Jintao, sehr geehrter Herr Premierminister Wen Jiabao,

als Repräsentanten der vier Sektionen der „Koalition zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong in China“ vertreten wir über 300 internationale Regierungsbeamte, Religionsführer, Anwälte, Ärzte und Menschenrechtsaktivisten aus aller Welt. Wir fordern Ihre Regierung respektvoll auf, die Verfolgung von Falun Gong-Praktizierenden und deren Unterstützern zu beenden und eine unabhängige internationale Untersuchung der Anschuldigungen hinsichtlich des staatlich sanktionierten Organraubs zuzulassen.

Wir sind Einzelpersonen und Organisationen, die in Sorge um die soziale Gerechtigkeit und die grundlegenden Menschenrechte sind. Die Verfolgung, die die Falun Gong-Praktizierenden in China in den vergangenen acht Jahren ertragen mussten, ist sehr schwerwiegend und wir haben den Eindruck, dieselben Erfahrungen zu machen. Basierend auf Berichten der Vereinten Nationen und anderer bekannter Menschenrechtsorganisationen sowie auf umfangreichen Berichterstattungen in den Medien auf der ganzen Welt fanden wir heraus, dass bereits Tausende von unschuldigen Falun Gong-Praktizierenden an den Folgen der Verfolgung gestorben sind. Ferner waren wir schockiert, als wir von den Foltermethoden, mit denen die Praktizierenden misshandelt werden, und von den Schäden, die ihrem Leben zugefügt werden, erfuhren. Außerdem sind wir höchst beunruhigt über die Berichte hinsichtlich des staatlich sanktionierten Organraubs an Falun Gong-Praktizierenden. Da wir wissen, dass sich Zehntausende von Falun Gong-Praktizierenden in ganz China weiterhin in Haft befinden und Folter sowie Organraub gegenüberstehen, können wir nicht länger schweigen.

Wir wissen, dass dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht von Ihnen beiden initiiert wurde. Wir sind uns bewusst, dass auch Sie beide versucht haben, dieser Völkermordkampagne, die beinahe alle Menschen in China einbezieht, ein Ende zu setzen. Wir sehen die menschliche Stärke in Ihnen und Ihr Verantwortungsbewusstsein als Staatsführer. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, Ihnen zu schreiben.

Wir sind China gegenüber nicht feindlich gesonnen. In der Tat lieben wir das chinesische Volk. Wir haben eine hohe Achtung vor der 5000 Jahre alten chinesischen Zivilisation. Bitte denken Sie daran, dass eines Tages die Geschichte ihr Urteil über Ihre Entscheidungen und Handlungen niederschreiben wird, wie sie es auch von allen vorhergehenden Herrschern Chinas getan hat. Glücklicherweise haben Sie noch die Gelegenheit, sich zu entscheiden, das Gute dem Hass vorzuziehen.

Die Olympischen Spiele 2008 bieten eine Chance für die Chinesen. Als die internationale Gemeinschaft die Olympischen Spiele 2008 nach China vergab, erwartete sie, dass dies den Chinesen auf vielerlei Weise nützlich sein würde, auch was die Frage der Menschenrechte betrifft.

Doch mussten wir bedauerlicherweise feststellen, dass sich seit 2001 die Menschenrechtssituation in China nicht verbessert, sondern verschlechtert hat und dass sogar abscheuliche Verbrechen wie Organraub geschehen.

Unserer Meinung nach ist es eine Schande für die Menschheit, wenn in China die Olympischen Spiele und zur gleichen Zeit Verbrechen gegen die Menschlichkeit stattfinden. Deshalb fordern wir Sie auf, die Verfolgung von Falun Gong-Praktizierenden und „politischen Häftlingen“, wie Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng, zu beenden.

Ob es weitere Aufrufe zu einem internationalen Boykott der Olympischen Spiele 2008 in Peking geben wird oder nicht, hängt von Ihren Entscheidungen ab, die sie in Bezug auf diese wichtigen Angelegenheiten in den nächsten zwei Monaten treffen werden.


Hochachtungsvoll,


Rabbi Dr. Reuven Bulka, Religionsführer und Gelehrter,
Präsident der CIPFG, Sektion USA-Kanada

Andrew Bartlett, Australischer Senator,
Präsident der CIPFG, Sektion Australien

Lai Ching-Te, Gesetzgeber in Taiwan,
Präsident der CIPFG, Sektion Asien

Baronin Caroline Cox, Abgeordnete des House of Lords (Oberhaus) (UK),
Präsidentin der CIPFG, Sektion Europa

David Kilgour, ehemaliger kanadischer MP, Staatssekretär für den Asien-Pazifik-Raum,
Mitverfasser des „Untersuchungsberichts zu den Anschuldigungen der Organentnahmen an Falun Gong-Praktizierenden in China“